Vor zwei Jahren wagte Evelyn Neumayr aus Straßwalchen einen beruflichen Neustart – heute arbeitet sie bei den Mobilen Pflegediensten der Caritas Mondseeland und hat ihre Berufung gefunden. Sie steht älteren Menschen zur Seite, die Unterstützung im Alltag benötigen. „Ich bin nun beruflich dort angekommen, wo ich immer hinwollte. Ich habe einen sinnstiftenden, krisensicheren Beruf, der Freude bereitet und für den ich viel Dankbarkeit zurückbekomme.“
Erika Reichl aus Mondsee feiert am 3. September ihren 90. Geburtstag. Seit März dieses Jahres wird sie täglich von den Mobilen Pflegediensten der Caritas betreut. „Da alles schon etwas schwieriger wird mit bald 90, bekomme ich nun Unterstützung“, sagt sie.
Die Unterstützung ermöglicht ihr, weiterhin in den eigenen vier Wänden zu leben – ein großer Wunsch der rüstigen Seniorin. Einmal täglich kommt eine Mitarbeiterin von der Caritas vorbei. Geholfen wird dort, wo Unterstützung notwendig ist: beim Duschen, Bettenmachen oder auch einmal beim Abwasch. „Ich bin sehr dankbar für diese Hilfe“, sagt Erika Reichl. Besonders freut sie sich, wenn Evelyn Neumayr bei ihr vorbeikommt. „Wir mögen uns sehr und sind schon aneinander gewöhnt. Evelyn ist immer freundlich und gut gelaunt. Das gefällt mir. Aber auch alle anderen im Team sind nett und lieb.“ „Frau Reichl sagt oft, dass die Sonne aufgeht, wenn ich hereinkomme“, erzählt Evelyn Neumayr lächelnd. „Das freut mich natürlich sehr.“
Berufung statt bloß Beruf
2024 entschied sie sich für die Ausbildung zur Fach-Sozialbetreuerin Altenarbeit, die durch das Pflegestipendium des Bundes finanziell abgesichert wurde. Bereits während ihres ersten Praktikums bei den Mobilen Pflegediensten der Caritas wusste sie, dass sie ihren Platz gefunden hatte: „Mir gefällt besonders, dass ich immer nur für einen Menschen da bin und ihm meine volle Aufmerksamkeit schenken kann. Zwischen den Hausbesuchen habe ich Zeit, mich auf die nächste Person einzustellen. Außerdem wurde ich im Team von Anfang an herzlich aufgenommen.“
Verantwortung und Menschlichkeit
Die Arbeit in der Mobilen Pflege verlangt neben Einfühlungsvermögen auch viel Fachwissen und Eigenverantwortung. Gleichzeitig entstehen enge Beziehungen zu den betreuten Menschen. Die Mitarbeiter*innen müssen Veränderungen im Gesundheitszustand der von ihnen betreuten Menschen frühzeitig erkennen und im Ernstfall rasch handeln.
„Als ich zum ersten Mal die Rettung rufen musste, wusste ich, warum wir in der Ausbildung so viel medizinisches Wissen gelernt haben“, erzählt Evelyn Neumayr. „Wir sind oft die einzigen Personen vor Ort. Da müssen wir erkennen, wenn etwas nicht stimmt.“
Trotz der Verantwortung und auch schwieriger Momente, etwa wenn betreute Personen sterben, überwiegt für sie das Positive. „Zu wissen, dass ich den Menschen durch meine Unterstützung, mein Zuhören und einfach durch mein Dasein den Tag verschönern kann, macht meinen Beruf so sinnstiftend.“
Für Erika Reichl steht jedenfalls fest, dass die Unterstützung ihren Alltag erleichtert. Und wenn Evelyn Neumayr zur Tür hereinkommt, ist die Freude groß – denn dann, wie sie selbst sagt, „geht die Sonne auf“.
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