Kindergartensozialarbeit stärkt Bildungsgerechtigkeit

Zum Welttag der Bildung fordert die Caritas mehr Aufmerksamkeit auf Bildungsgerechtigkeit. „Bildung wird in Österreich noch immer sehr stark vererbt. Wir brauchen hier mehr Anstrengungen, um Gerechtigkeit herzustellen“, so Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler: Die Kindergartensozialarbeit der Caritas ist dafür ein starker Hebel. „Der frühe Ansatz hilft, die Weichen so zu stellen, dass mehr Kinder bessere Startchancen haben und Benachteiligungen ausgeglichen werden.“ Die Erfahrungen aus den drei Pilotregionen Oberösterreich, Graz und Salzburg zeigen, dass Familien und Kindergartenpersonal profitierten.

Prävention hilft Probleme abzufangen

„Bildung ist der Schlüssel dafür, dass Kinder ihre Talente entdecken und entfalten können. Sie ist die wesentliche Voraussetzung, um das Leben nach eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten gestalten zu können“, hält die Caritas-Präsidentin fest. Daher sei es wichtig, den Zugang zu Bildung für jedes Kind zu ermöglichen: „Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung und Teilhabe.“ Früh anzusetzen, helfe mehrfach und trage bei, Kosten zu sparen: „Kindergartensozialarbeit ist ein präventiver Ansatz, der hilft, Probleme abzufangen und frühzeitig Hilfe anzubieten, damit Menschen gar nicht erst in eine benachteiligte Situation geraten“, betont Tödtling-Musenbichler. „Damit haben wir einen starken Hebel für mehr Bildungsgerechtigkeit und für Armutsprävention.“ Insgesamt sind 52 Kinderbildungseinrichtungen in den drei Bundesländern an dem Projekt beteiligt.

Mehr als 200 Beratungsgespräche in Oberösterreich

In Oberösterreich ist die Mobile Kindergartensozialarbeit – MOSAIK – mitten im Leben vieler Familien angekommen. Drei erfahrene Sozialberaterinnen stehen in Kindergärten in Linz, Wels, Freistadt, Sierning und Kremsmünster zur Seite. Im vergangenen Jahr fanden über 200 Beratungsgespräche mit mehr als 60 Familien statt – begleitet von 25 Elterncafés und Vorträgen, die Raum für Austausch, Information und gegenseitige Stärkung boten. „Bei den Beratungen direkt in den Kindergärten ging es besonders häufig um psychische Belastungen, die viele Eltern im Alltag mit sich tragen – sei es durch Stress, Überforderung oder finanzielle Probleme“, erklärt Theresa Lackner, Leiterin von MOSAIK. Aber auch bei Themen wie Arbeitslosigkeit, dem Wiedereinstieg ins Berufsleben oder der Suche nach Ausbildungswegen für Kinder und auch Eltern konnten die Caritas-Mitarbeiterinnen gezielt weiterhelfen. Ebenso kamen verschiedene Erziehungsfragen zur Sprache.

Bildungssystem wird als hilfreich erlebt

„Der Kindergarten ist die erste Station im Bildungssystem, mit der Familien in Kontakt kommen. Hier können mögliche Schwierigkeiten von Kindern und Familien erstmals sichtbar werden, wie beispielsweise ein Förderbedarf bei Kindern oder finanzielle Probleme“, erklärt Theresa Lackner. Die Sozialberaterinnen von MOSAIK bieten an dieser Stelle qualifizierte Hilfe an und vermitteln bei sehr spezifischen Fragen auch an entsprechende Stellen weiter. „Mit MOSAIK gelingt es, dass das Bildungssystem von Familien als hilfreich erlebt wird“, so Theresa Lackner

Weiterfinanzierung offen

Bis Juli 2026 ist die Finanzierung durch eine Beauftragung vom Sozialministerium gesichert. Die drei Caritas-Organisationen Steiermark, Salzburg und Oberösterreich bemühen sich um die Weiterfinanzierung der Kindergartensozialarbeit, für die aktuell in den Bildungsplänen keine reguläre Finanzierung vorgesehen ist.