Mehr als fünf Jahrzehnte heilpädagogische Kinderbetreuung in Wels

Seit 1975 begleitet die Caritas in Wels Kinder mit Beeinträchtigungen. Damit zählt der heilpädagogische Kindergarten zu den ältesten Einrichtungen dieser Art in Oberösterreich. Heute vereint der Standort Kindergarten und Hort unter einem Dach. Im Mittelpunkt stehen die Stärken der Kinder und Jugendlichen, ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Was kann ein Kind gut? Was interessiert es? Was braucht es für den nächsten Entwicklungsschritt? Diese Fragen prägen die heilpädagogische Bildungs- und Betreuungsarbeit der Caritas. „Kinder brauchen Menschen, die ihre Fähigkeiten erkennen und ihnen etwas zutrauen. Unser Auftrag ist, sie darin zu bestärken, ihren eigenen Weg zu gehen und das Leben in der Gemeinschaft mitzugestalten. Dafür arbeiten wir eng mit ihren Familien zusammen“, betont Caritas-Vorständin Edith Bürgler-Scheubmayr.

Ein strukturierter Alltag gibt Orientierung und Sicherheit. Beim gemeinsamen Spielen und Lernen bringen die Kinder und Jugendlichen ihre Wünsche ein und lernen gleichzeitig, aufeinander einzugehen. Kindergarten und Hort im selben Haus haben den Vorteil, Kinder über einen längeren Zeitraum in vertrauten Bedingungen zu begleiten.

Raum zum Entdecken und Entwickeln

Im heilpädagogischen Kindergarten sind Kinder ab zweieinhalb Jahren, die in einzelnen Entwicklungsbereichen besondere Unterstützung brauchen. In familiären Kleingruppen können sie Beziehungen aufbauen und ihre eigenen Fähigkeiten entdecken.

Sinnes- und ein Bewegungsräume sowie der Garten laden zum Ausprobieren ein. Speziell geschulte Mitarbeiter*innen begleiten und beraten die Eltern.

Dabei hat sich der fachliche Blick über die Jahrzehnte verändert: Im Unterschied zum früheren Fokus auf Defizite und intensive Therapie, folgt die heutige Pädagogik einem ressourcenorientierten Ansatz: Sie fördert vorhandene Potenziale und bindet therapeutische Angebote unterstützend ein.

Von der Hutfabrik zum Ort für Kinder

Die soziale Geschichte des Hauses reicht weit zurück. Carl Blum gründete 1874 seine Hutfabrik und setzte sich für humane Arbeitsbedingungen ein. Die später eingerichtete Blum-Stiftung sollte ihre Einnahmen auch für soziale und karitative Zwecke einsetzen.

Um 1970 eröffnete die Caritas am Standort eine logopädische Stelle unter der Leitung von Rosina Lehner ein. Sie erkannte, dass die Kinder mehr als Sprachförderung brauchten, und initiierte 1975 die erste heilpädagogische Kindergartengruppe am Standort. Zu einer Zeit, als Kinder mit Beeinträchtigungen im Kindergartenalter überwiegend zu Hause oder in Heimen betreut wurden, entstand in Wels ein Pionierprojekt. Weitere Gruppen folgten.

Bei der kürzlich abgehaltenen Feier zum 51-jährigen Bestehen und zur Neueröffnung nach der Sanierung und Erweiterung blickte die mittlerweile pensionierte Rita Haim-Harasek, die hier 30 Jahre tätig war, auf diese Entwicklung zurück:

„Bei allen fachlichen Veränderungen verbindet die Arbeit damals und heute eine Haltung: Kinder in ihrer Persönlichkeit anzunehmen und sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Ich beschreibe dieses Miteinander zwischen Kindern, Eltern, Kolleg*innen und Unterstützer*innen gerne als ‚Blum-Spirit‘, der den Standort ausmacht.“