Der Vorstand der Caritas Oberösterreich

Wo ein Wille ist, braucht es auch Wege

Kinder, Bildungserfolg, Zukunftschancen –hier darf nicht gespart werden. Was heute fehlt, muss morgen teuer repariert werden. Die Integrationsarbeit ist unverzichtbar!

Kommentar Stefan Pimmingstorfer Direktor der Caritas Oberösterreich

Mit dem Jahreswechsel haben uns spürbare Einschnitte getroffen. Die öffentliche Hand steht unter hohem Spardruck – das bekommen auch wir als Caritas Oberösterreich zu spüren. Besonders stark betroffen ist der Integrationsbereich. Förderungen wurden um mehr als 30 Prozent gekürzt. Es wird zunehmend schwieriger, notwendige Hilfsangebote wie die Sozialberatung sicherzustellen.
Die Entscheidungen treffen Bereiche und Angebote, die aus unserer Sicht besonders wichtig sind. Die Novellierung der Sozialhilfe bringt neue Regelungen und Verschärfungen mit sich. Wir rechnen damit, dass dadurch der Beratungs- und Unterstützungsbedarf steigen wird – dazu sind wir in gutem Austausch mit der Landesregierung. Anhand von konkreten Situationen, die wir im persönlichen Gespräch mit den Betroffenen erleben, suchen wir den Dialog auf Augenhöhe mit den politischen Verantwortlichen.

Ankommen ermöglichen

Die von den Kürzungen betroffenen Bereiche sind genau jene, die politisch immer wieder als zentral für gelingende Integration gelten: Spracherwerb, Arbeitsmarktintegration und Wertevermittlung. In diesen Bereichen hat die Caritas OÖ über Jahre hinweg wirksame und tragfähige Angebote aufgebaut – gemeinsam mit Schulen, Unternehmen und Communities. Viele dieser gewachsenen Strukturen müssen nun reduziert oder ganz eingestellt werden.

Ein konkretes Projekt, das wir beenden mussten, ist „Rückenwind“. Es hat Eltern mit Migrationshintergrund dabei unterstützt, sich aktiv in den Bildungserfolg ihrer Kinder einzubringen, und den Austausch mit Schulen gestärkt. Auch die Mutter-Kind-Deutschkurse in Steyr konnten nicht weitergeführt werden. Für viele Frauen mit kleinen Kindern fällt damit der einzige realistische Zugang zu einem Sprachkurs weg. Andere Angebote wie „Connect U“, das Menschen mit Migrationshintergrund aus der Sozialhilfe in den Arbeitsmarkt vermittelt, können nur noch in stark eingeschränkter Form weiterbestehen.

Bildung als Investition in die Zukunft

Gerade bei Kindern und Bildung zu sparen, hat langfristige Folgen. Unterstützungsangebote, die heute wegfallen, müssen später durch deutlich teurere Maßnahmen kompensiert werden. Arbeitsmarktpotenziale bleiben ungenutzt, der Fachkräftemangel verschärft sich, soziale Spannungen nehmen zu. Die Kosten mangelnder Integration verschwinden nicht – sie werden in andere Ressorts und spätere Haushaltsjahre verschoben.

Hinzu kommt: Die Folgen zeigen sich nicht sofort. Sie werden erst Jahre später sichtbar – im Bildungserfolg junger Menschen, in ihren Chancen am Arbeitsmarkt und der Frage, ob sie sich als Teil unserer Gesellschaft fühlen.

Gesellschaft braucht Pflege

Deshalb sind verlässliche Integrationsangebote entscheidend – und eine Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie richten sich nicht nur an Asylwerber*innen, sondern auch an Menschen, die etwa als Pflegekräfte nach Österreich kommen. Auch sie brauchen Orientierung, Sprachförderung und Begleitung, um gut ankommen zu können. 

Wir sehen den finanziellen Druck, unter dem das Land steht, und anerkennen, dass in anderen Bereichen – etwa bei der Inklusion von Kindern mit Behinderungen im Kindergarten – gezielt investiert wird. Gleichzeitig wächst die Sorge, welche langfristigen Auswirkungen Einsparungen im Integrationsbereich auf unsere Gesellschaft haben.

Integration ist eine Investition in die Zukunft und den sozialen Zusammenhalt. Sie braucht politische Verantwortung – und die Solidarität vieler Einzelner. Dafür danken wir allen, die den Wert dieser Arbeit sehen, mittragen und möglich machen.