Eine Frau steht hinter einem Puppenhaus.

Deutsch lernen, Selbstvertrauen gewinnen, Zukunft gestalten: Dabei unterstützt Ingrid Lang die Frauen im Haus für Mutter und Kind.

Eine Stunde, die Mut macht

Ingrid Lang wollte ihre freie Zeit nicht einfach verstreichen lassen. Sie wollte sie jemandem schenken, der sie braucht: Frauen, die einen Neuanfang wagen.

Als sich ihre Arbeitszeit in einer Ordination vor vier Jahren reduzierte, stand für Ingrid Lang schnell fest: Die gewonnene Zeit wollte sie sinnvoll einsetzen. Sie wollte etwas bewirken. Auf der Suche nach einer passenden freiwilligen Tätigkeit stieß sie auf das Haus für Mutter und Kind in Linz-Urfahr. Ein Klick auf die Website genügte – und kurze Zeit später war ihr neues Engagement gefunden.

Seitdem kommt die gebürtige Eferdingerin jede Woche für eine Stunde ins Haus. Dort unterstützt sie Frauen dabei, Deutsch zu lernen und sich auf Prüfungen vorzubereiten. Für viele Bewohnerinnen ist die Sprache der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Ingrid Lang begleitet sie auf diesem Weg. „Ich freue mich sehr, wenn ich sehe, wie sie es Schritt für Schritt schaffen das Vergangene hinter sich zu lassen und ihr Leben selbstständig in den Griff zu bekommen“, erzählt die 61-Jährige.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Zeit mit einer jungen Syrerin, die sie eineinhalb Jahre lang begleitete. Aus den gemeinsamen Lernstunden entstand weit mehr als reine Sprachförderung. Als Unterstützung bei Behördenwegen nötig war, fuhr Ingrid Lang sogar mit ihr und deren vierjähriger Tochter nach Wien zur Botschaft. „Wir waren einfach auf einer Wellenlänge“, sagt sie rückblickend.

Was sie antreibt, ist ein einfacher Wunsch: „Ich wünsche mir, dass die Frauen einen Weg finden, zufrieden und sorgenfrei zu leben.“ Dafür brauche es Anlaufstellen, an die sie sich wenden können, und Menschen, die zuhören, begleiten und da sind. Menschen, die zeigen: Du musst deinen Weg nicht allein gehen.

Für Ingrid Lang selbst ist das freiwillige Engagement längst zu einer Bereicherung geworden. Die Begegnungen mit Frauen in herausfordernden Lebenssituationen haben ihren Blick verändert. „Sie haben mich nachdenklich und dankbar für mein eigenes Leben gemacht. Für die Frauen sind viele Schritte notwendig, um wieder zu einem erfüllten Leben zu kommen.“

Gerade deshalb hält sie freiwilliges Engagement heute für wichtiger denn je. „Mit vergleichsweise wenig Zeit kann man unglaublich viel bewirken. Man gibt anderen Hoffnung und bekommt selbst sehr viel zurück.“

Ihre eigene Wirkung verdoppelt sie sogar: Neben ihrem Einsatz im Haus für Mutter und Kind unterstützt sie auch Kinder und Jugendliche im Lerncafé Auwiesen bei den Hausaufgaben. Für sie ist klar: Wer sich engagiert, verändert Leben. Oft nicht nur das Leben anderer, sondern auch das eigene.

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