Eine Frau steht unter einem Baum in einem Garten neben einen prächtigen Blumenbeet. Dahinter ein Wohnhaus.

Aus einem Dschungel wird eine Wohlfühl-Oase. Irmgard in ihrem Garten.

Ein Haus, das Selbstständigkeit schafft

Ein eigenes Zuhause – und trotzdem nicht allein: In Gmunden hat Irmgard Traußnigg ihr Elternhaus in eine teilbetreute Wohngemeinschaft verwandelt. Ein Modell, das zeigt, wie selbstbestimmtes Leben auch mit Unterstützungsbedarf gelingen kann. Und das Mut macht, neue Wege zu denken.

Es ist ein unscheinbares Haus am Stadtrand von Gmunden. Doch hinter der Fassade verbirgt sich ein besonderes Konzept: Hier lebt Irmgard Traußnigg – und sie bestimmt, wie.

Die 58-Jährige hat ihr Elternhaus in eine WG für Frauen mit psychischen Erkrankungen umgewandelt. Während sie selbst im ersten Stock wohnt, leben darunter drei Frauen teilbetreut. Unterstützt werden sie vom Caritas-Team, das regelmäßig vor Ort ist. Was von außen kaum erkennbar ist, ist im Inneren ein Ort, der vor allem eines ermöglicht: ein möglichst normales Leben.

WG mit Weitblick

Irmgard erhielt die Diagnose Schizophrenie, als sie 19 Jahre alt war. Viele Jahre verbrachte sie in unterschiedlichen Wohnformen, zuletzt vollbetreut. Doch der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit blieb. Als sie das Haus ihrer Eltern erbte, entstand die Idee: Warum nicht aus dem Haus ein Zuhause für Menschen wie sie zu machen, in der sie auch selbst selbstständig leben konnte?

Gesagt, getan. Das Erdgeschoß wurde umgebaut und an die Caritas vermietet. Im ersten Stock zog Irmgard ein. „Am Anfang war ich unsicher und hatte auch große Sorgen“, erinnert sie sich. „Es ist doch eine große Veränderung, wieder in das eigene Elternhaus zu ziehen - und andere miteinziehen zu lassen. Auch in der WG-Form soll es ja mein Zuhause bleiben.“

Doch die Freude über die neue Selbständigkeit überwog. Wo sie sich früher nach der Gruppe richten musste, konnte sie nun ihren Tag selbst planen. Von Montag bis Freitag ist sechs Stunden lang jemand vom Caritas-Team da, sonntags vier Stunden für Wochenend-Aktivitäten. Irmgard kann sich nach Bedarf Unterstützung holen. Das Team begleitet bei Terminen, hilft im Alltag und setzt Impulse für gemeinsame Aktivitäten.

Gemeinsam eigenständig

Seit sechs Jahren besteht die WG mittlerweile. Was sich über die Jahre entwickelt hat, ist mehr als eine Wohnform. Es ist ein Miteinander, das trägt – ohne einzuengen. Wo anfangs Unsicherheit herrschte, ist Vertrauen gewachsen – zu den Mitbewohnerinnen sowie zum Caritas-Team.

Die Frauen kochen gemeinsam, verbringen Zeit miteinander oder besuchen Angebote in der Region. „Besonders schön ist, dass wir zwar zusammen wohnen, aber trotzdem jede Person ihren eigenen Weg gehen kann“, sagt Irmgard. „Wenn ich möchte, habe ich jederzeit jemanden zum Reden.“

Mittlerweile weiß Irmgard auch, dass das Mietverhältnis so gelebt wird, wie es ist: Es ist ihr Haus und sie hat das letzte Wort. Zieht eine Mitbewohnerin aus, wird das jeweilige Zimmer wieder in seinen Originalzustand zurückversetzt. Veränderungen finden nur mit ihrer Einwilligung statt.

Gartenparty über Zäune hinweg

Mitbewohnerin Ida und Bezugsbetreuer Michael Pacher sorgt dafür, dass der Garten langsam zu einer Wohlfühl-Oase wird. „Früher war er sehr verwildert. Das hat mich manchmal überfordert“, sagt Irmi. „Gemeinsam haben wir ihn wieder schön gemacht. Jetzt sehe ich im Frühling, wie es bunt blüht und wie gepflegt alles ist.“

Michael Pacher achtet darauf den Garten so zu gestalten, dass Irmgard ihn gut bewirtschaften kann. Denn das Ziel der Begleitung ist immer, die Selbständigkeit zu erhalten und nur dort zu begleiten, wo es notwendig ist.

Ein besonderes Erlebnis: das erste eigene Gartenfest. Mitten zwischen den Obstbäumen wurde groß eingeladen: die Nachbarschaft sowie das invita-Team und die Menschen, die von den Mobilen Diensten begleitet werden. Der gemeinsame Nachmittag brachte so viele schöne Erinnerungen, dass heuer die Einladung auf eine zusätzliche WG erweitert wird.

„Ich bin stolz und sehr glücklich, damals mutig genug gewesen zu sein, dieses Projekt zu starten“, sagt Irmgard. „Die Stimmung bei uns passt – das ist am Wichtigsten. Darauf muss man auch achten: dass die einziehenden Bewohner zum Hausbesitzer passen.“

Ein Erfolgskonzept, das Wellen schlägt: In Kürze entsteht, nicht weit von Irmis WG entfernt, ein weiteres Projekt dieser Art – diesmal als Männer-WG.

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Ein Mann und eine Frau reißen Löwenzahn aus.

Michael Pacher hilft Bewohnerin Ida bei der Gartenarbeit.