Frau sitzt mit Bub auf Sofa. Bub hat Katze am Arm.

Pamela Mühlbacher unterstützt Familien in schwierigen Situationen. © Caritas

Caritas-Familienhilfe gibt Halt im Trubel des Familienalltags

Seit fast 18 Jahren ist Pamela Mühlbachler Teil der Mobilen Familiendienste der Caritas. Sie ist in Wels, Steyr sowie in den Bezirken Wels-Land, Kirchdorf und Steyr-Land unterwegs, um Familien zu unterstützen. Die 52-Jährige weiß aus eigener Erfahrung als Mutter einer Patchworkfamilie mit vier Kindern, wie schnell familiäre Belastungen über den Kopf wachsen können.

Ihre Patchwork-Familie besteht aus einem Sohn (32), von dem sie zwei Enkerl hat, sowie drei Stieftöchtern. Die zwei jüngeren Stieftöchter im Alter von 18 und 20 Jahren leben noch zu Hause. Ihre leibliche Mutter war vor 18 Jahren verstorben. Die jüngere Stieftochter hat durch eine besonders schwierige Geburt Entwicklungsverzögerungen. „Dass das Familienleben vieles abverlangt und es Zeiten gibt, wo man auf unterstützende Hände zurückgreifen muss, ist ganz normal“, erzählt die Caritas-Mitarbeiterin. „Wenn die eigenen Eltern nicht greifbar sind, etwa, weil sie weiter weg wohnen oder selbst mitten im Berufsleben stehen, dann ist die Familienhilfe eine Möglichkeit, wie durch die Hilfe bei der Kinderbetreuung und im Haushalt der Familienalltag rasch wieder stabilisiert werden kann.“ Es braucht oft nicht viel: ein Beinbruch der Mutter, ein notwendiger Kur- oder Rehaufenthalt eines Elternteils, notwendige Arzt- und Therapiebesuche mit einem Kind, während die Geschwisterkinder versorgt werden müssen, oder eine Überforderung, weil viele Umstände zusammenkommen, und man merkt, dass ein Burnout bevorstehen könnte. In all diesen Situationen ist die Caritas-Familienhilfe zur Stelle.

Von der Büroarbeit in den Sozialberuf

Pamela Mühlbachler ist vom Grundberuf Bürokauffrau. „Als ich meinen Bub bekommen habe, war ich länger daheim“, erinnert sie sich. „Als ich dann wieder zu arbeiten begonnen habe, hat mir die Büroarbeit nicht mehr so gut gefallen. 2008 las ich zufällig, dass die Caritas für einen Langzeithilfeeinsatz eine Familienhelferin suchte. Es war das Richtige, denn ich wollte eine sinnstiftende Tätigkeit machen. Es tut einem selbst gut, wenn man jemandem helfen kann.“

Vielfältige Aufgaben

Momentan arbeitet die Caritas-Mitarbeiterin 25 Wochenstunden und begleitet zwischen drei und manchmal auch sechs Familien pro Woche. „Es gibt aber auch Familien, bei der ich zwei bis drei Mal pro Woche bin. Das hängt davon ab, was die Familien gerade brauchen“, erzählt die Familienhelferin. Die Aufgaben in der Kinderbetreuung richten sich nach dem Alter der Kinder: da gehört das Helfen bei oder das Kontrollieren von Hausübungen genauso dazu wie das Üben für die Schule oder die altersgerechte Beschäftigung, sowohl drinnen als auch draußen. Ein Kind zum Kinderarzt zu begleiten ergänzt bei Bedarf die Aufgaben. 

Zusätzlich ist die Hilfe im Haushalt wesentlich: Kochen, Reinigungsarbeiten, Einkaufen – all das, was es braucht, damit die Kinder ein gutes Umfeld vorfinden. „Es ist komplett individuell. Manche Familien sind auch dankbar, wenn ich ihnen Tipps für den Alltag gebe, wenn ich ihnen erzähle, was ich bei meiner Familie in verschiedenen Situationen versucht habe“, verrät Pamela Mühlbachler. „Zu wissen, dass man mit den Herausforderungen nicht alleine ist, kann oft schon erleichtern. Auch helfe ich z.B. bei Anträgen. Oder bei der Wäsche – die Wäscheberge bei Zwillingen oder in einer Großfamilie türmen sich schnell. Da sind zwei unterstützende Hände einfach von Vorteil.“

Besondere Einsätze

Besonders herausfordernd sind Einsätze, wo schwere Erkrankungen bis hin zu Todesfällen von einem Elternteil das Familienleben herausfordern. „Auch in diesen Fällen ist die Caritas-

Familienhilfe zur Stelle“, sagt die 52-Jährige. „Wenn ich dann Jahre später von dem Sohn der Familie das Foto seines Lehrabschlusszeugnisses geschickt bekomme, dann ist das eine besondere Freude. Da weiß ich, dass ich an der richtigen Stelle bin.“

Alle Familien dürfen sich an die Familienhilfe wenden

Jede Familie kann sich an die Mobilen Familiendienste wenden. „Viele glauben, dass dies nur möglich ist, wenn ein Kind eine Behinderung hat, oder wenn man schwer krank ist“, weiß die Caritas-Mitarbeiterin. „Aber es müssen nicht die riesengroßen Probleme sein. Es können alltägliche Sachen sein, z.B. eine Erkältungswelle in der Familie oder wenn Zwillinge oder ein Schreibaby ausreichenden Schlaf verhindern. Oder wenn man merkt, dass ein Burnout bevorsteht. Denn ohne familiäres Netz kommt man schnell mal in eine Überforderung. Vor allem für Alleinerziehende wird der Alltag rasch zum Kraftakt.“

Einfach mal ausprobieren

Pamela Mühlbachler ermutigt dazu, die Familienhilfe einfach einmal auszuprobieren. Für den Einstieg steht ein günstiger Pauschaltarif von 105 Euro für die ersten 21 Stunden zur Verfügung. „Viele haben Bedenken, weil sie sich davor scheuen, jemand Fremden ins Haus zu lassen“, erzählt sie. „Aber wir kommen nicht, um zu beurteilen – sondern um zu entlasten. Unser Ziel ist es, dass Familien nach unserem Einsatz wieder besser zurechtkommen.“ Hilfe anzunehmen sei eine Stärke – und das Vertrauen zu den Elternteilen und zu den Kindern sei rasch aufgebaut.

Ein von Herzen kommender Dank

Besonders schön für die Caritas-Mitarbeiterin ist es, wenn sie merkt, dass die Familien nach ihrem Einsatz wieder besser zurechtkommen. „Das ist das Sinnstiftende in diesem Beruf, das ich immer gesucht habe. Hinzu kommt der von Herzen kommende Dank der Familien nach einem Einsatz. Manche Familien rufen sogar nochmals im Büro an und erzählen, dass du ihnen wirklich geholfen hast, wenn es nach einer schweren Zeit wieder wird. Das ist für mich besonders schön.“

Kostenbeitrag ist sozial gestaffelt

Die Familienhilfe der Caritas wird im Auftrag der Sozialhilfeverbände und Magistrate angeboten. Der vom Land OÖ geregelte Kostenbeitrag für Familien ist sozial gestaffelt – je nach Einkommenssituation. Die restlichen Kosten übernehmen die Sozialhilfeverbände/Magistrate mit Unterstützung des Sozialressorts des Landes Oberösterreich.

Ansprechpersonen und den Tarifkalkulator finden sich unter www.mobiledienste.or.at