Ein Pfleger strickt mit einer Seniorin.

Warum gute Pflege bei den kleinen Dingen beginnt

Gute Begleitung beginnt oft im Kleinen – und braucht doch einen großen Überblick. Als Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger trägt Christoph Froschauer Verantwortung für Menschen, Abläufe und ein ganzes Team. Ein Beruf für alle, die gestalten, führen und nah bei den Menschen sein wollen.

Manchmal sind es fünf Minuten, die den Unterschied machen: kurz dabeisitzen, damit ein Bewohner seine Mahlzeit in Ruhe beenden kann. Oder die Erleichterung, wenn eine Seniorin nach längerer Bettruhe weder wundgelegen ist noch Gewicht verloren hat. „Zu sehen, dass es jemandem besser geht – das ist das Schönste an meiner Arbeit“, sagt Christoph Froschauer. „Vor allem dann, wenn ich es schaffe vielschichtig zu denken, Medikamente hinterfrage, reduziere – und sich der Zustand wirklich verbessert.“

Sein Job bedeutet für ihn, genau hinzuschauen und bedürfnisorientiert zu handeln: Was ist wirklich wichtig für einen Menschen? „Für viele Frauen ist es oft gar nicht so relevant, welches Gewand sie anhaben. Aber die Frisur muss sitzen und die Fingernägel gut ausschauen“, erklärt Froschauer. „Männer hingegen wollen etwas repräsentieren, wenn sie ihr Zimmer verlassen.“

Für Froschauer ist das tägliche Tun immer auch Beziehungsarbeit – und verlangt Aufmerksamkeit für Details.

Viele Stationen, klare Entscheidung

Zehn Jahre lang sammelte Christoph Froschauer Erfahrung in ganz unterschiedlichen Bereichen: in Seniorenwohnhäusern, in der Kinder-OP, als Leasing-Pflegekraft quer durch Österreich. Ein Dienst in Wien, am nächsten Tag ging es direkt nach Vorarlberg zum nächsten Einsatz. Diese Zeit brachte Klarheit. „Ich wusste, welches Arbeitsumfeld für mich nicht passt – und dass ich Verantwortung übernehmen will.“

Pflege verstand er nie als bloßes Abarbeiten. Wenn dafür kein Raum war, zog er weiter. Er nahm sich Zeit, um mit Patient*innen zu reden, und hörte: „Wir sind ein Krankenhaus, kein Altersheim.“ Dort ging er dann auch hin: ins Seniorenwohnhaus Karl Borromäus – auch wenn der ursprüngliche Gedanke als Leasing-Kraft war, überall zu sein, nur nicht in Linz.

DGKP: Überblick behalten, Richtung geben

Schon am zweiten Tag war er perplex: Zeit für Bewohner*innen, ein warmes Abendessen, echte Zuwendung. Schon bald konnte Froschauer das leben, was für ihn dem Kern des Berufsbildes entspricht. „Als DGKP trage ich die größte Verantwortung. Ich habe den Überblick – und Weitblick – denke interdisziplinär, frage nach und gehe voran.“ Führung beginnt für ihn nicht mit einer Funktion, sondern mit Haltung. „Es ist egal, ob ich Wohnbereichsleiter bin oder nicht – entscheidend ist, dass sich alle im Team gesehen und ernst genommen fühlen.“

Seit fünf Jahren leitet er ein 14-köpfiges Team. Dienstpläne erstellt er so individuell wie die Betreuung: Der alleinerziehenden Mutter gibt er mehr Nachtdienste, damit sie tagsüber daheim sein kann; dem Kollegen, dessen Frau ebenfalls im Schichtdienst arbeitet, ermöglicht er gegengleiche Dienste. Und wenn Personal fehlt, springt er selbst ein. „Ich lege dann auch gerne eins drauf, damit ich mit einem guten Gefühl aus dem Zimmer gehe. Die Bewohner*innen sagen oft ganz stolz: Heute war der Chef bei mir.“

Opa sei Dank

Die Führungsrolle eröffnet ihm Gestaltungsmöglichkeiten. Ob Verfolgung ganzheitlicher Ansätze, Hilfsmittel oder Alltagsgestaltung: Entscheidungen trifft er nah an den Menschen. „Ich kann auf diese Art und Weise vieles ausprobieren, reflektieren und gemeinsam mit dem Team eine Lösung finden, wie sich eine Idee umsetzen lässt“, sagt er. „Das Wichtigste dabei ist zuzuhören und ernst nehmen, eine Idee weiterzudenken und ihr eine Chance zu geben.“

Dass er heute genau hier steht, hat auch persönliche Gründe. „Mein Opa war früher auch in einem Altersheim. Da habe ich gemerkt, dass ich gut mit älteren Leuten kann.“ Gleichzeitig war er unzufrieden mit der Betreuung seines Großvaters. Er brach sein Sportstudium ab und wechselte in die Pflege. „Damit es anderen besser geht als meinem Opa.“