Dr. Ambrose Osakwe wurde 1958 in Nigeria geboren. Er zog früh nach Österreich und studierte und lehrte an der BOKU in Wien. Für die Caritas Österreich betreut er als Landwirtschaftsexperte unsere Projekte im Kongo und in Burundi. Nachdem er einen Großteil seines Lebens in Österreich verbracht hat, lebt er einigen Jahren in Uganda: Neben der Projektbegleitung für die Caritas entwickelt er dort eigene landwirtschaftliche Projekte, wie z.B. eine biologische Solartrocknung für Mangos.

„Retten wir das Klima, retten wir uns selbst“

Afrika trägt nur 4% zum globalen CO2-Ausstoß bei, ist aber von der Klimakrise am stärksten betroffen. Dr. Ambrose Oksawe spricht darüber, was die klimatische Veränderung für den Kontinent bedeutet, wie die Caritas-Projekte dementsprechend angepasst werden und warum das Thema für Österreich relevant ist.

Welche Auswirkungen hat die Klimakrise auf Afrika?

Dr. Osakwe: „Afrika lebt von der Landwirtschaft. 80 Prozent der Bevölkerung ist in diesem Bereich tätig. Mit dem Klimawandel verringert sich die landwirtschaftliche Produktion, die Ernährungssicherheit sinkt, Einkommen und Grundnahrungsmittel fehlen. Afrika ist von klimatischen Veränderungen stärker als Kontinente betroffen, in denen Industrie eine größere Rolle spielt. Afrika erhitzt sich auch aufgrund seiner Lage schneller als andere Kontinente. Bereits jetzt gibt es in Afrika eine klimatische Erwärmung von 2 Grad.“

Seit wann spürt man die Auswirkungen des Klimawandels?

Dr. Osakwe: „Bereits seit Jahrzehnten. Eine der größten Hungersnöte war die Hungersnot in den Jahren 1984-1985 in Äthiopien. Weil diese Ereignisse mehrere Jahrzehnte in der Vergangenheit liegen, geraten sie in Vergessenheit. Sie wurde aber durch eine vom Klimawandel bedingte Dürre verursacht.

Wie passen wir unsere Projekte vor Ort an, um diesen Umständen gerecht zu werden?

Dr. Osakwe: „Das Hauptproblem sind für unsere Landwirtschaftsprojekte die Niederschläge. Die Landwirtschaft ist zu 90% auf natürliche Niederschläge angewiesen. Wir bauen an, wenn es anfängt zu regnen. Früher konnten wir dann die gesamte Vegetationsperiode nutzen.

Durch den Klimawandel regnet es unregelmäßiger. Die Menschen säen nach dem ersten Regen. Danach gibt es wochenlang keinen Regen. Der Regen, der dann kommt, ist so stark, dass es Überschwemmungen gibt. So muss man das Saatgut manchmal dreimal anbauen.

Unsere Projektpartner sind mittlerweile darauf vorbereitet, indem sie mehr Saatgut bekommen und einen Teil davon zur Seite legen, falls sie noch einmal säen müssen.

Wir helfen auch, die Lebensmittel-Lager zu verbessern und die Lagerhygiene zu erhöhen. So reduzieren wir Ungezieferbefall und Ernteverluste im Lager. Der Wassergehalt der Produkte spielt dabei eine große Rolle. Ist der Wassergehalt hoch, sind die Produkte anfälliger für Ungeziefer. Wir lehren den Bauern, ihre Produkte zu trocknen, so dass sie über ein Jahr gelagert werden können. Das reduziert Ernteverluste. Gleichzeitig können die Bauern ein höherwertiges Produkte verkaufen und damit ein besseres Einkommen erzielen.“

Was bedeutet das für die Zukunft?

Dr. Osakwe: „Bei einer weiteren Erwärmung werden die Menschen aus ihrer gewohnten Umgebung wegziehen und sich eine neue Heimat suchen. Die aktuelle Prognose der Weltbank ist, dass bis 2050 zusätzlich 86 Millionen Menschen aus Afrika auf der Flucht sein werden aufgrund des Klimawandels. Weltweit werden dadurch 200 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben...."

Lesen Sie das vollständige Interview mit Dr. Osakwe in der aktuellen Ausgabe der „nah dran“ mit dem Schwerpunktthema "Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit". Kostenlos abonnieren bei der Caritas Information, Tel. 0732/7610-2020, information@caritas-linz.at