Haussammlung 2026
Liebe Haussammlungsverantwortliche und Haussammler*innen in den Pfarrgemeinden!
Manchmal ist Armut nicht laut. Sie macht keine Schlagzeilen und drängt sich nicht auf. Sie zeigt sich am Küchentisch, wenn Rechnungen liegen bleiben und das Geld einfach nicht reicht. Oft tarnt sie sich als „Es geht schon“, als tapferes Lächeln – und ist dennoch schmerzlich und bitter real.
Da ist zum Beispiel Nina, 32 Jahre, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern (6 und 9). Sie arbeitet Teilzeit, weil sie Betreuung und Schule allein stemmen muss. Die Alimente kommen unregelmäßig, manchmal gar nicht. Nina versucht, alles zusammenzuhalten: den Alltag, die Sorgen, die Kinder. „Ich will, dass meine Kinder sich sicher fühlen“, sagt sie. „Aber es gibt Tage, da habe ich Angst, dass ich es nicht schaffe.“ Wenn am Monatsende kaum noch etwas übrig ist, wird aus jeder Entscheidung ein Dilemma: neue Winterschuhe oder die Nachzahlung für Heizung und Strom.
Oder Herta, 78 Jahre, verwitwet, allein in einer kleinen Wohnung. Sie war ihr Leben lang sparsam und stolz darauf, „mit wenig auszukommen“. Doch seit die Preise gestiegen sind, reicht die Pension kaum noch. Medikamente, Miete, Lebensmittel – alles wird teurer. Also spart sie zuerst bei sich selbst. Sie kauft weniger ein, lässt manches weg, und im Winter bleibt die Heizung oft aus. „Ich will nicht jammern“, sagt sie. „Andere brauchen es sicher nötiger.“ Und genau darin liegt die Tragik: Not wird so leicht übersehen, wenn sie still getragen wird.
Das Motto der Haussammlung 2026, „Mit dem Herzen sehen und helfen“, lädt uns ein, genauer hinzuschauen. Es erinnert uns daran: Hinter jeder Zahl steht ein Mensch. Hinter jeder Statistik eine Geschichte. Not ist oft leise und unsichtbar – aber sie ist da, mitten unter uns. Die alleinerziehende Mutter, die jeden Euro dreimal umdrehen muss. Die ältere Nachbarin, die lieber friert, als um Hilfe zu bitten. Der junge Mensch, der sich durch schwierige Umstände allein gelassen fühlt.
Wenn wir mit dem Herzen sehen, schauen wir nicht weg. Dann bleiben wir stehen. Dann fragen wir nach. Dann tragen wir ein Stück Last mit.
Gerade die Spenden aus der Haussammlung ermöglichen der Caritas in solchen Situationen rasche, unbürokratische und zugleich nachhaltige Hilfe: Lebensmittelgutscheine, Zuschüsse für Strom und Heizung, beratende Gespräche, sichere Schlafplätze, medizinische Unterstützung und warmes Essen. Hilfe, die dort ankommt, wo sie dringend gebraucht wird – und zwar dann, wenn es zählt.
Und doch ist die Haussammlung mehr als ein finanzieller Beitrag. Sie lebt von Begegnung. Von den vielen Haustürgesprächen, die oft mehr bedeuten als man denkt. Ein offenes Ohr. Ein freundlicher Blick. Ein paar Minuten echter Aufmerksamkeit. Für manche Menschen ist es das erste Mal seit Langem, dass jemand anklopft – nicht um etwas zu fordern, sondern um zu sehen, wie es ihnen wirklich geht. Die Besuche von Tür zu Tür helfen auch, Notlagen in der Nachbarschaft zu erkennen und Menschen auf die Unterstützungsangebote der Caritas und in den Pfarrgemeinden hinzuweisen.
Wir alle haben die Möglichkeit, das Leben eines anderen Menschen zu verändern – manchmal mit einer einzigen Entscheidung, mit einer kleinen Geste, mit einem Schritt aufeinander zu. Jede Spende, jedes Engagement ist mehr als Geld. Es ist ein Zeichen: Du bist nicht allein. Es ist ein Stück Hoffnung, das sagt: Es gibt jemanden, der dich sieht.
Darum bitten wir Sie herzlich, die Haussammlung im Jahr 2026 auch in Ihrer Pfarrgemeinde wieder durchzuführen und gemeinsam mit den Ehrenamtlichen von Tür zu Tür zu gehen. Damit Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Damit Not nicht unsichtbar bleibt. Und damit Wärme – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn – weitergegeben werden kann.
Von Herzen danke für Ihr Mittragen, Ihr Dasein und Ihren Einsatz.
