Mann und Frau auf Schiff, im Hintergrund ein Fluss

Mann und Frau auf Schiff, im Hintergrund ein Fluss

Freiwillig bei invita: Naoufal aus Marokko

Dieses Jahr in Österreich, das ich als Freiwilliger in einer Wohngruppe der Caritas invita in Haibach ob der Donau verbracht habe, war meine erste Erfahrung dieser Art und eine Zeit intensiven persönlichen und beruflichen Wachstums. Ich kam mit der Absicht, zu helfen, und gehe mit unzähligen neuen Erkenntnissen und Erfahrungen nach Hause.

Gelerntes und gewonnene Erkenntnisse

Ich habe gelernt, dass wahre Unterstützung nicht nur in großen Taten, sondern vor allem in kleinen Momenten liegt. Der Aufbau von Vertrauen und die Schaffung einer sicheren, freudvollen Umgebung sind essenziell. Die Arbeit in der Wohngruppe hat mich gelehrt, auf die individuellen Bedürfnisse jedes Bewohners einzugehen und Kommunikation über verbale Sprache hinaus zu verstehen. Geduld, Empathie und Anpassungsfähigkeit sind zu meinen stärksten Werkzeugen geworden.

Einblicke in die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen 

Meine größte Erkenntnis ist, dass Menschen mit Behinderungen nicht durch ihre Einschränkungen definiert werden. Sie sind Individuen mit eigenen Persönlichkeiten, Wünschen, Humor und Träumen. Die Zusammenarbeit hat mir gezeigt, dass wir oft mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben. Ich habe gelernt, Herausforderungen als Chancen zu sehen und die kleinen Erfolge, wie ein Lächeln oder eine nonverbale Geste der Dankbarkeit, als große Siege zu feiern.

Kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten 

Der größte Unterschied zwischen Marokko und Österreich, den ich erlebt habe, liegt in der organisierten Struktur der Unterstützung für Menschen mit Behinderungen. Während in Marokko oft die Familie die Hauptlast trägt, ist in Österreich ein umfassendes, professionelles System etabliert. Trotz dieser strukturellen Unterschiede habe ich eine wichtige Gemeinsamkeit festgestellt: die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen. Sowohl in meiner Heimat als auch hier in der Wohngruppe sind die Menschen bereit, sich umeinander zu kümmern.

Erfahrungen und Höhepunkte mit den Bewohnern 

Ein besonderer Höhepunkt war, als ich einem Bewohner half, eine neue Fähigkeit zu erlernen, die ihm ein Gefühl von Unabhängigkeit gab. Der Moment, als er es schaffte und sein Gesicht vor Stolz strahlte, war unvergesslich. Solche Erlebnisse haben mich tief berührt und mir die Bedeutung meiner Arbeit vor Augen geführt. Die alltäglichen Interaktionen, das gemeinsame Lachen bei Spielen oder beim Musikhören, haben die größte Wirkung auf mich gehabt.

Herausforderungen und Reflexionen 

Anfänglich waren die sprachlichen Unterschiede eine große Herausforderung. Auch das Navigieren durch die bürokratischen Prozesse war nicht immer einfach. Emotional war es manchmal schwierig, mit den Einschränkungen und Rückschlägen der Bewohner umzugehen. Diese Erfahrungen haben mich jedoch gelehrt, geduldiger und resilienter zu sein.

Das Freiwilligenjahr hat mich als Person stark beeinflusst. Ich bin selbstbewusster, empathischer und offener geworden. Es hat mir geholfen, meine eigenen Prioritäten zu überdenken und zu erkennen, wie wichtig es ist, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

ESK

Ermöglicht und kofinanziert ...

... wird der Einsatz von EU-Freiwilligen in der Caritas aus Mitteln des EU-Programms "Europäisches Solidaritätskorps" (ESK).