Ein Erfahrungsbericht von Arnold Medicus, ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Mobilen Hospizteam der Caritas in Linz und Linz-Land.
Ich hatte das Privileg, ein Leben lang mit Musik umgeben gewesen zu sein und weiß um die Kraft, die in ihr liegt, nicht nur im Konzert für den Zuhörer, sondern auch beim Musizieren für mich selbst. Musik, bewusst eingesetzt, kann ein wunderbarer Regulator für unser Wohlbefinden sein.
Jedoch dort, wo die Sprache zum Ausdruck von Gefühlen zu versiegen beginnt, in der Demenz, steigt die Bedeutung der Musik als Möglichkeit der Übermittlung herzlicher Gefühle deutlich an. Musik kann sehr dazu beitragen einen Patienten, der die meiste Zeit in seiner eigenen Welt, möglicherweise von Ängsten begleitet, verbringt, zu Geborgenheit und innerem Frieden zurückzuführen.
Ich begleite nun schon einige Jahre in meiner ehrenamtlichen Arbeit im mobilen Hospizteam Linz eine 95-jährige Frau, die von ihrer tiefen Demenz gezeichnet, nichts mehr spricht, keine Mimik mehr zeigt und somit auch verlernt hat „ja“ oder „nein“ zu sagen oder zu deuten. Durch die Musik (ich spiele ihr häufig mit der Geige einfache Volkslieder und Weihnachtslieder vor) wacht sie aus ihrem Dämmerzustand auf. Ihre Augen weit geöffnet, beginnt sie mit einem Fuß genau im Takt mitzudirigieren. Daran merke ich, dass sie hochkonzentriert bei der Sache ist. Wenn sie dann nach etwa einer Stunde einschläft, so ist das für mich ein Zeichen, dass es nun genug ist.
Eine Begebenheit hat mich besonders beeindruckt. Ein Mann, der an einer fortgeschrittenen Demenz litt, sollte über die 24-Stunden-Pflege neue Medikamente erhalten. Während die Pflegerin für den Weg zum Arzt und zur Apotheke etwa eine Stunde unterwegs war, blieb ich bei ihm. Er litt zusätzlich an einer Infektion der Lunge und Bronchien und wurde immer wieder von Hustenreiz geplagt. Da ich ihn dabei medizinisch nicht unterstützen konnte, nahm ich meine Geige zur Hand und spielte während der gesamten Stunde. Die Musik schien ihn so sehr zu entspannen und vom Husten abzulenken, dass er die ganze Zeit ruhig sitzen konnte und kaum husten musste.
Nach meinen musikalischen Darbietungen habe ich schon oft in leuchtende Augen von Patientinnen und Patienten geblickt, in denen so viel Dankbarkeit lag. Das bedeutet mir mehr als jede Bezahlung und erfüllt mich jedes Mal aufs Neue mit großer Freude.
