Celebrating Diversity - Internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen

Am 3. Dezember findet der "Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen" statt. Seit über 10 Jahren nimmt die Caritas OÖ diesen Tag zum Anlass, auf Veränderungen, Herausforderungen und "Errungenschaften" der Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen hinzuweisen.

Am internationalen Aktionstag geht es darum, das Bewusstsein für die Herausforderungen und die vielen Barrieren, die Menschen mit Beeinträchtigungen erleben, wachzuhalten und das Recht auf Selbstbestimmung und Teilhabe zu einer Selbstverständlichkeit zu machen.  

In den Porträts stellen sich Menschen vor, die mit ihrem Mut und Willen wesentlich zu einer inklusiven Gesellschaft beitragen.

Ich bin...
... Tierfreundin - Karin Höller
... Literat - Michael Wilhelm
... Brotliebhaber - Michael Fuchsberger
... Autorin - Conny Pfeiffer
... Peer-Beraterin und Musikerin - Sabine Nemmer
...Überflieger - Mario Wolfsteiner
...Bastlerin - Kathrin Eicher

Ich bin Tierfreundin.

Karin Höller

Wenn ich ein Tier wäre, dann wäre ich eine Katze.
Als Kind wollte ich immer eine Katze haben,
aber das war leider nicht möglich, weil es sich meine Eltern nicht leisten konnten.
Sie waren nicht gesund und konnten deshalb nicht arbeiten.
Ich mag überhaupt Tiere gerne, zum Beispiel auch Hunde, Schafe, Esel und so weiter.
Ich mag Tiere ganz allgemein.
An Tieren schätze ich, dass ich mit ihnen reden kann.
Wenn ich mit ihnen rede, schauen sie so drein, als würden sie mir zuhören.
Und das Gute ist: Sie können nichts weiter erzählen.
Ich schätze an ihnen auch, dass sie sehr anschmiegsam sind.

Energie tanke ich bei meiner besten Freundin und bei den Tieren.
Ich freue mich, wenn ich mit der Hündin Donna vom Putti-Hof eine Runde gehen kann.
An der Donna finde ich lustig, dass sie mich in der Früh immer mit einem Bussi begrüßt.
Das tut sie nicht bei allen.
Es taugt mir, dass mir die Tiere vom Putti-Hof anvertraut werden.
Denn nicht jeder kann mit den Tieren so gut umgehen.

Ich mag alle Tiere, aber am liebsten mag ich die Katzen, besonders die Stupsi.
Sie klettert immer an meinen Hosenbeinen herum und wartet, bis sie was zu fressen kriegt.
Das tun die anderen Katzen aber auch gern.

Auf dem Putti-Hof gibt es viele Tiere.
Außer der Donna und den Katzen gibt es noch
zwei Wollschweine und zwei Minischafe.
Auch zwei Kühe gibt es: Nicki und Olli.
Die darf ich auch immer melken und sie vertrauen mir.
Ich freue mich, dass ich auf dem Putti-Hof arbeiten darf.




 

Ich bin Literat.

Michael Wilhelm

Ich bin ein Schreiberling
Ein dicker Mensch
Ein Zuhörer
Ich bin ein Rapid Fan
Ein Klugscheißer
Ein nervöses Bündel
Ich bin ein Schwarzhumoriger
Ich bin ein Kino Geher
Ich bin ein lebendes Kinoprogramm
Ich bin Cola Süchtiger
Ein Politischer Zeuge
Ich bin ein Wortspieler
Ich bin ein WC Hocker
Ich bin ein Blindgänger,

als Mensch könnte ich auch durch gehen.

Michael Wilhelm ging in St. Isidor, einem Standort der Caritas für Menschen mit Behinderungen, zur Schule. Seit 1985 arbeitet er in der in den Werkstätten St. Pius im Bereich „Montage“ für eine Firma, die Autozubehör herstellt.

Michael Wilhelm ist ein passionierter Kino- und Kabarettbesucher und bietet seine umfangreiche DVD-Sammlung zum Verleih an. Er singt im Chor von St. Pius und ist aktiver Schwimmer im Sportclub St. Pius. Bis 2001 lebte Wilhelm Michael in St. Pius in einer Wohngemeinschaft. Seither wohnt er mit seiner Ehefrau Brigitte in einer eigenen Wohnung in Peuerbach.
 




 

Ich bin Brotliebhaber.

Michael Fuchsberger

Ich fahre jeden Tag von Schwanenstadt mit den Zug nach Vöcklamarkt um hier zu arbeiten.

Am Montag gehe ich dann immer gleich zu Fuß in die Filiale der Bäckerei Neudorfer in Vöcklamarkt. Dort begrüßt mich schon die Verkäuferin, meine Kollegin Christine. Ich schlüpfe in meine Arbeitskleidung und dann geht es auch schon los.
Ich verkaufe Brot und Gebäck, mache Kaffee und serviere ihn mit Zimtschnecke oder wonach den Kunden gerade ist. Mittlerweile kenne ich auch die meisten verschiedenen Brote, falls nicht, verständigen wir uns mit den Händen und das klappt dann auch immer.
Das Reden mit den Einkäufern war für mich eine große Herausforderung, ich merke, wie mir dies immer besser gelingt und ich finde ich es richtig schön! Ich darf nun auch schon kassieren, wobei mich meine Kollegin von der Bäckerei immer freundlich unterstützt und mir nach und nach immer mal wieder neue Funktionen der Kassa zeigt.
Das Kontrollieren der Mindesthaltbarkeitsdaten kannte ich schon vom Dorfladen in Pfaffing und so fällt es auch in der Bäckerei unter meine Aufgaben. So wie das bestücken der Kühlschränke, wenn uns die Firma Starzinger mit Getränken beliefert.
Wenn ich zwischendurch Zeit habe, kümmere ich mir darum, dass der Eingangsbereich im und vor dem Geschäft sauber ist, oder wische auch mal die Regale.
Was mir natürlich besonders gefällt ist, dass ich in der integrativen Beschäftigung mehr Geld bekomme.

An den anderen Wochentagen bringt mich der Shuttledienst nach Pfaffing, wo ich für den Dorfladen zuständig bin. Auch hier bediene ich die Kundschaft, schreibe Einkaufslisten, kassiere und bin beim Großeinkauf mit dabei. Sind im Dorfladen gerade keine Aufgaben, dann mache ich für die Fa. Neuhofer Holz und Fa. Speedmaster  Industriearbeit. Auch hier habe ich immer einen guten Überblick über die aktuellen Bestellungen und weiß genau was wie verpackt werden muss und wann welcher Arbeitsschritt sinnvoll ist.  




                      

Ich bin Autorin.

Conny Pfeiffer

Ich schreibe gerne, weil es mich entspannt.
Beim Schreiben kann ich mich voll in die Situation,
die ich beschreibe, hineindenken.
Wenn ich zum Beispiel über meine Kindheit schreibe,
sehe ich mich als Kind.
Wenn ich über meine Schulzeit schreibe,
sehe ich es vor mir, wie es damals war.
Das sind teilweise sehr schöne Erinnerungen,
teilweise auch gar nicht schöne Erinnerungen.

Ich schreibe aber auch Fantasiegeschichten
Und da sehe ich mich als Hauptperson.
Mal bin ich ein Teenager, mal ein Kind
Und manchmal schon eine Frau.
Aber in meinen Geschichten habe ich immer einen
anderen Namen.
Oft spielen auch Filme oder Lieder eine große Rolle.
Ich sehe ja auch gerne fern und höre gerne Musik.

Vom Literaturpreis Ohrenschmaus habe ich
zwei Preise gewonnen:
2018 den Ehrenpreis für:
Meine Erfahrungen mit schwerer und leichter Sprache.
2019 den Hauptpreis für:
45 Jahre in einer Einrichtung.
Ich habe auch einen Text über Corona geschrieben:
Meine Erfahrungen mit dem Corona-Virus.
Heuer habe ich ein Stipendium für ein Buch bekommen.
Das Buch heißt: Mein Leben.
 




 

Ich bin Peer-Beraterin und Musikerin.

Sabine Nemmer

Ich lebe in Peuerbach in einer eigenen Wohnung und bin eine sehr zielstrebige Frau. Was ich mir vornehme, setze ich um. Besonders wichtig ist mir, dass Menschen fair behandelt werden.

Ich bin als Peerberaterin bei der Caritas tätig. Dazu habe ich eine Ausbildung im Empowermentcenter gemacht. Ich kenne mich gut mit den Problemen und Hindernissen aus, die es Menschen mit Beeinträchtigung schwer machen, sich als Teil der Gesellschaft zu fühlen. Dazu gehört vor allem auch die Barrierefreiheit. Ich habe mich zum Beispiel dafür eingesetzt, dass die Türen in St. Pius automatisch aufgehen und so eine Erleichterung für viele Menschen, die dort leben, darstellen. Und ich habe zum Beispiel bei einer Veranstaltung laut angemerkt, dass es schwierig für die Anwesenden ist, den Vortrag inhaltlich zu  verstehen. Regelmäßig bin ich bei Vorlesungen auf der Fachhochschule für Sozialmanagement als Vortragende tätig. Studierende erhalten von mir wertvolle Informationen zum Thema Beeinträchtigung und Inklusion.
Ich werde oft zu Moderationen und Führungen eingeladen, wo meine Expertise gefragt ist. So habe ich eine Delegation mit Bundespräsidenten Alexander van der Bellen durch den Standort St. Pius begleitet und viele Fragen beantwortet. Die Mitarbeiterin des Bundespräsidenten hat sich ein paar Tage später mit einem Mail persönlich bedankt. So etwas freut mich natürlich sehr.

Musik ist meine Leidenschaft und hat mich geprägt. Sie begleitet mein Leben. Ich lerne schon seit ich 8 Jahre alt bin, mich mit Instrumenten wie Xylophon, Flöte, Hackbrett, Trommel, Gitarre und Klavier musikalisch zu betätigen. 1989 wurde ich gefragt, ob ich in die Musikschule gehen möchte. Damals war ich sehr froh, dass ich von Sr. Luise und Frau Lehrerin Silvia Humer unterstützt wurde. Der damalige Musikschuldirektor war sehr abgeneigt und wollte auf gar keinen Fall, dass Menschen mit Beeinträchtigungen zur Musikschule gehen durften. Er war jedoch beim ersten Vorspielabend dann doch sehr begeistert, indem er gesagt hatte: “Na ja wenn ich das gewusst hätte.“ Ich hab Übertrittsprüfungen bestanden, das war eine sehr spannende Zeit für mich. Ich wurde von meiner damaligen Lehrerin Frau Humer Silvia unterstützt. Ein Jahr war dabei, da bin ich unter lauter Gymnasium-Schüler*innen in der Klasse gewesen. Da musste ich sehr viel lernen, um bei der Theorie mithalten zu können.
 




 

Ich bin der Überflieger.

Mario Wolfsteiner

Foto: Union Fallschirmspringerclub Linz

„Vor meiner Erkrankung hatte ich schon den Wunsch, einmal Fallschirm zu springen“, erzählt Mario Wolfsteiner. Doch aufgrund seiner vielen Schlaganfälle war er so stark beeinträchtigt, dass er viel Unterstützung benötigte, um überhaupt den Alltag zu bewältigen. Doch weil sich Mario Wolfsteiner schon seit Jahren sehnlichst einen Fallschirmsprung gewünscht hatte und weil er außerdem sein gesundheitlich stabil war, entschieden die Caritas-MitarbeiterInnen, dass sie dem großen Traum nicht mehr im Weg stehen wollten. Sie organisierten für ihn einen Gutschein für einen Tandemsprung, dem sie ihn zu einem Weihnachtsfest überreichten. „Ich habe bei der Übergabe geweint vor Freude“, gesteht Mario Wolfsteiner. Beim Union Fallschirmspringerclub Linz löste er den Gutschein ein. Sein Tandemsprunglehrer war niemand geringerer als der Burgenländer Hans Schneeberger, der europaweit als Kameramann, der im freien Fall filmt, arbeitet. 

Mario Wolfsteiner fieberte auf den Tag hin. Am Tag des Sprunges war er schon um sechs Uhr hellwach und unglaublich nervös, als er am Flugplatz eintraf. Doch Hans Schneeberger strahlte eine solche Ruhe aus, dass er sofort Wolfsteiners vollstes Vertrauen genoss. „Den Flug war für mich der reinste Horror: Es hat gerumpelt und gepumpelt“, erinnert sich der Waldkirchner. Bei 4000 Metern wurde die Tür geöffnet. „Ich stellte die Füße bei der Tür unters Flugzeug und sah nach links und nicht nach unten. Ich habe auf das Atmen vergessen. Ich habe automatisch die Augen geschlossen. Als ich sie wieder aufmachte, war der Flieger über mir“, beschreibt er den aufregenden Moment, als sein Traum wahr wurde.  „Der freie Fall war ein Wahnsinn. Es dauerte 58 Sekunden, dann wurde der Schirm von Hansi aufgemacht. Dann folgten die sechs schönsten Minuten in meinem Leben.“ Die überschäumende Freude Mario Wolfsteiners bewegte Tandemlehrer Hans Schneeberger so sehr, dass er ihn kurzerhand einlud, noch einmal mit ihm zu springen.

Ich bin die Bastlerin

Kathrin Eicher

"Ich bin Kathrin Eicher,
mir geht es sehr gut in Pfaffing in der FA.
Meine Tätigkeit ist Industrie arbeiten und Basteln.
Meine Hobbys sind spazieren gehen, tanzen und Yoga. 
Und mir geht es ganz gut.
Ich bin froh, dass es zu keiner Schließung der FA 
während des Lockdowns gekommen ist."